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Leben in Deutschland / Refugee Guide

Herzlich willkommen in Deutschland! Diese Orientierungshilfe bietet Ihnen nützliche Tipps und Informationen für das Leben in Deutschland. Angeregt wurde diese Orientierungshilfe durch Fragen, die viele Geflüchtete immer wieder stellen.

1. Politische und rechtliche Ordnung

Das Grundgesetz ist die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland. Es ist die wichtigste rechtliche Grundlage des Zusammenlebens in Deutschland.

Grundrechte

Die Artikel 1 bis 19 des Grundgesetzes sichern die Grundrechte der und des Einzelnen gegenüber dem Staat. Besonders wichtige Grundrechte sind:

  • Schutz der Menschenwürde
  • Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit
  • Gleichheit aller vor dem Gesetz
  • Glaubensfreiheit
  • Meinungsfreiheit
  • Versammlungsfreiheit
  • Berufsfreiheit
  • Gewährleistung von Eigentum und Erbrecht
  • Pressefreiheit

Artikel 20 beschreibt die wichtigsten Prinzipien, nach denen das politische System der Bundesrepublik Deutschland aufgebaut ist.

Deutschland ist ein:

  • Bundesstaat
  • Rechtsstaat
  • Sozialstaat
  • Demokratiestaat

 

Bundeszentrale für politische Bildung hat die Grundrechte in der englischen und arabischen Sprache bildlich dargestellt: Grundrechte

Das BAMF bietet eine neue Broschüre "Das Grundgesetz – die Basis unseres Zusammenlebens"an. In einfachen Worten wird das Grundgesetz mehrsprachig erläutert . Die Publikation liegt in den Sprachen Deutsch, Arabisch, Englisch, Farsi, Französisch und Kurdisch (Kurmanci) vor.  Zum Download gelangen Sie hier.

Bundesstaat

Deutschland ist ein Bundesstaat, der aus 16 Bundesländern besteht:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Demokratie

Deutschland ist ein demokratischer Staat, das heißt, alle Staatsgewalt geht vom Volk aus. Es übt sie aus durch:

  • Wahlen
  • Abstimmungen
  • Organe der Gesetzgebung (Parlament)
  • Organe der vollziehenden Gewalt (Regierung und Verwaltung)
  • Organe der Rechtsprechung (Gerichte)

 Der Bundestag (Parlament) ist die gewählte Vertretung des Volkes.

Sozialstaat

Deutschland ist ein Sozialstaat. Das bedeutet: Grundsätzlich sollte jede Bürgerin und jeder Bürger durch Arbeit selbst für ihren/seinen Lebensunterhalt sorgen. Der Staat hilft jedoch Menschen, die nicht oder nur eingeschränkt in der Lage sind, ihre Lebensgrundlage aus eigener Kraft zu sichern. Er gleicht Benachteiligungen aus. Es gibt eine Reihe staatlicher Sozialleistungen. Zu den wichtigsten zählen die gesetzliche Sozialversicherung (siehe unter dem Menüpunkt Banken und Versicherungen und das Arbeitslosengeld II als auch das Kindergeld (siehe unter Menüpunkt Soziale Leistungen).

Weitere allgemeine Informationen finden Sie auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung unter www.bpb.de.

2. Parteien in Deutschland

In Deutschland gibt es zwei große Parteien:

  • die Christlich Demokratische Union (CDU) mit der bayerischen Partei der Christlich-Sozialen Union (CSU)
  • und die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD).

Seit Ende 2013 bilden CDU/CSU und SPD die Bunderegierung (Schwarz- Rote-Koalition) mit Angela Merkel als Bundeskanzlerin (CDU) und Sigmar Gabriel (SPD) als ihr Stellvertreter an der Spitze.

Zu den weiteren Parteien gehören die Grünen und die Linke. Es gibt zahlreiche kleinere Parteien, die im Bundestag nicht vertreten sind.

Jeder Bürger und jede Bürgerin in Deutschland hat die Möglichkeit, sich am politischen Leben zu beteiligen und die Parteien auf der Kommunal-, Landes, Bundes- und europäischen Ebene zu vertreten.

Die Parteien stellen ihre Kandidaten und Kandidatinnen für die Wahlen: Gemeinde- und Stadtrat, Landtag, Bundestag und das Europäische Parlament vor.

 

Wahlen

Bei Wahlen überträgt das Volk die Macht für eine festgelegte Zeit an seine Vertreter. Ohne Wahlen ist Demokratie nicht denkbar. Durch Wahlen wird die politische Führung bestimmt und der politische Kurs der nächsten Legislaturperiode festgelegt.

Die Wahlen sind:

  • allgemein: Alle Staatsbürger ab einem bestimmten Alter (in Deutschland 18 Jahre) können wählen und gewählt werden;
  • unmittelbar: Die Wähler wählen direkt einen oder mehrere Abgeordnete über eine Liste, nicht wie bei einer indirekten Wahl zunächst Wahlmänner, die dann die Abgeordneten wählen (wie bei der Wahl des Präsidenten der USA);
  • frei: Auf die Wähler darf keinerlei Druck ausgeübt werden, ihre Stimme für einen Kandidaten oder für eine Partei abzugeben; die Bürger sind auch frei, nicht zu wählen, es gibt keine Wahlpflicht;
  • gleich: Jede Stimme zählt gleich viel;
  • geheim: Es bleibt geheim, wie der Wähler abstimmt; Wahlkabine, Stimmzettel im Umschlag, Wahlurne oder Wahlgeräte dienen diesem Zweck.

Die Wahl zum Bundestag und zu den meisten Landtagen funktioniert so: Jede Wählerin und jeder Wähler hat zwei Stimmen, die Erst- und die Zweitstimme. Mit ihrer Erststimme stimmen die Wählerinnen und Wähler für eine Kandidatin oder einen Kandidaten aus ihrem Wahlkreis (Mehrheitswahl). Die Zweitstimme geben sie für die Liste einer Partei (Verhältniswahl). Die Zweitstimme ist wichtiger, weil sie über die Sitzverteilung in den Parlamenten entscheidet.

Die Wahlen der Gemeindevertretungen sind per Landesgesetz geregelt. Ihre Ausgestaltung kann daher unterschiedlich sein, folgt aber den oben genannten Grundsätzen der allgemeinen, unmittelbaren, freien, gleichen und geheimen Wahl.

Wenn Sie die deutsche Staatangehörigkeit besitzen, dürfen Sie an allen Wahlen teilnehmen. Sind Sie Bürger oder Bürgerin eines EU-Landes, dürfen Sie nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland für die kommunale (Gemeinde- und Stadtrat) und auch für die europäische Politik (Wahlen zum Europäischen Parlament) abstimmen.

3. Land und Bevölkerung

Deutschland befindet sich im Herzen Europas und hat insgesamt neun Nachbarstaaten. Im Norden grenzen an Deutschland die Nord- und Ostsee und im Süden die Alpen, deren höchster Berg mit 2.962m die Zugspitze ist.

Das Land hat eine Grundfläche von 357.340 km² und die Grenzlänge von 3.621 km. Berlin ist die Hauptstadt mit ca. 3.500.000 Einwohnern und ist zugleich die größte Stadt Deutschlands.

In Deutschland leben derzeit über 80 Millionen Menschen, davon etwas mehr Frauen als Männer. Die meisten Deutschen leben in den großen Städten. In den ländlichen Gebieten wohnen die wenigsten Einwohnern, z. B. im Nordosten Deutschlands.

Die Amtssprache in Deutschland ist Deutsch. Es wird jedoch nicht nur Deutsch gesprochen, sondern auch Dänisch, Friesisch (Schleswig-Holstein) oder Sorbisch (Brandenburg, Sachsen). Weiterhin gibt es viele Dialekte, unter anderem Plattdeutsch, welches in Norddeutschland verbreitet ist.

In Deutschland leben viele Migranten aus fast allen Ländern der Welt. Die größte Gruppe mit knapp 3 Millionen bilden die türkischen Bürger, die Anfang der 60er Jahre als Gastarbeiter nach Deutschland kamen. Auch weitere Nationen sind im Zuge der Migration nach Deutschland gekommen wie Italiener, Griechen, Spanier, Polen und die sogenannten Spätaussiedler. Nach der EU-Osterweiterung wanderten auch zahlreiche Bulgaren und Rumänen nach Deutschland ein.

Außerdem suchen viele Geflüchtete ihren Schutz in Deutschland. Seit 2014 hat sich die Anzahl der Anträge auf Asyl vervielfacht und die Anzahl steigt aktuell weiter. Neben Syrern stellen zurzeit Albaner, Afghanen, Eritreer und Iraker einen Antrag auf Asyl.

4. Religion

In Deutschland ist die Religionsfreiheit im Grundgesetz verankert, das bedeutet, jeder Bürger darf seine Religion frei wählen und mit anderen gemeinsam bekennen. Auch kein Glaubensbekenntnis gehört zur Religionsfreiheit. Der Staat muss alle Konfessionen in Deutschland gleich behandeln und sich neutral allen gegenüber verhalten.

Deutschland ist seit über tausend Jahren vom Christentum geprägt. Zwei Drittel der Menschen in Deutschland gehört der christlichen Religion an. Die größte Gruppe bilden die Katholiken mit über 24 Millionen Gläubigen. Dann folgen die Protestanten mit etwa gleicher Anzahl und die drittgrößte Religionsgemeinschaft bilden die orthodoxen Christen. Die meisten Katholiken leben im Süden Deutschlands. Die Protestanten sind überwiegend in der Mitte und Norddeutschland vertreten. Auch andere Religionen wie Islam, Judaismus, Buddhismus sind ebenfalls ein Teil von Deutschland. Die größte Gruppe unter den Nichtchristen sind die Muslime (5-6% der Bevölkerung). Die meisten sind davon Sunniten mit 3 Millionen Gläubigen. Rund 100.000 Menschen gehören in Deutschland einer jüdischen Gemeinde und der Anteil der Buddhisten macht etwa 0,3 % der deutschen Bevölkerung aus.

Die Feier- und die Sonntage berücksichtigen in Deutschland ausschließlich den christlichen Glauben. Für wichtige Feiertage in den anderen Religionen gibt es in manchen Bundesländern die Möglichkeit, die Kinder vom Schulunterricht befreien zu lassen.

Teilnahme am Religionsunterricht bzw. Ethik/Philosophie wird von den Eltern bestimmt. Es wird oft neben dem evangelischen bzw. katholischen Religionsunterricht Islamunterricht angeboten. Erkundigen Sie sich an der zuständigen Schule, welche Kurse ausgewählt werden könnten.

5. Refugee Guide online

 

Hier finden Sie Orientierungshilfe zum Leben in Deutschland zum Download und Bestellen als Broschüre in mehreren Sprachen